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Das künstlerische Werk von Klara Lidén kann als ein kräftiges und freches Konglomerat aus Energie, Aktivismus, Lebhaftigkeit, Instinkt, aber auch aus Bissigkeit, Enttäuschung und Sorge umschrieben werden – immer auf der Suche, gesellschaftliche Konventionen zu brechen. Egal ob sie performativ, aktionistisch, mit Raumkonstruktionen, Installationen oder Video arbeitet, sie bezieht den Rezipienten geschickt, aber behutsam sowohl körperlich als auch mental in ihr Werk mit ein. Körperlich dann, wenn der Besucher aufgefordert ist, filigrane und wackelige Raumkonstruktionen aus Pappe und Wellblech zu erklettern, um zu einem versteckt integriertem Video zu gelangen und mental, wenn sie ihn mit Themen und Bildern konfrontiert, die den Betrachter durchaus auch peinlich berühren können. Schnell wird deutlich, dass ziviler Ungehorsam als zentrales Moment in all ihren Arbeiten steckt, wenn auch manchmal nur subtil und als sanfte Andeutung.

In der künstlerischen Umsetzung verwendet Klara Lidén häufig multimediale Installationen aus gefundenen, einfachen Gebrauchsmaterialien, die sie entweder im Umfeld ihres Wohnraumes oder des Ausstellungsortes aufstöbert. So entwirft sie aus Pappkarton, Wellblech, Folien und Rohren begehbare, häufig beengte Raumkonstruktionen, in die sie Videoarbeiten oder Sound integriert.
Besondere Berühmtheit haben die Videos erhalten, in denen sie selbst als
Akteurin auftritt. In Paralyzed (2003) tanzt, springt und hangelt sie sich völlig hemmungslos und ungezwungen vor den Blicken der Passanten durch einen Nahverkehrszug. Doch nicht nur die Reaktion der Mitfahrenden erscheint ihr als Begehren, vielmehr lässt sie ihrem Körper freien Lauf, den in ihr angestauten Unmut und Ärger auszudrücken. Von ebenso starker Gesellschaftskritik sowie der Ablehnung gängiger sozialer Verhaltensregeln zeugt das Video 550 Jamaica Avenue (2004). Der Rezipient wird von der Kamera in ein von Mobiliar, Büchern, Bildern, Zetteln und jeder Menge Ramsch und völlig überladenes Apartment geführt. Früh ist ein kakophonisches Sprach- und Gesangswirrwarr zu vernehmen, dass von der mal am Klavier sitzenden, dann auf einem Hometrainer strampelnden Künstlerin ausgeht. Mit entblößtem Oberkörper wendet sie jeweils dem Betrachter den Rücken zu, so dass die geschlechtliche Identifizierung verschleiert bleibt. In dem jüngeren Video Ohyra (2007) zeigt sich die Künstlerin in ihrer Küche als verletzliche Person mit nacktem Oberkörper, diesmal dem Betrachter zugewandt. Sie wirkt verwirrt, unzufrieden und wütend. Losgelöst von alltäglichem Funktionieren und Verständnis  handelt sie exzentrisch, ungestüm und autoaggressiv, während sie sich selbst ins Gesicht schlägt.
Eine weitere Form der Revolte, die durch Sensibilität und zurückhaltendes Gespür besticht, enthüllt Klara Lidén in der Fotoserie Self Portrait (2004). Man sieht die Künstlerin entspannt an einem Brückengeländer lehnend, den Mantel weit geöffnet. Verbotenem Uhren- und Schmuckhandel ähnlich, offenbart sie im Inneren des Kleidungsstückes eine Serie an Werkzeugen, die üblicherweise für Einbrüche und Diebstahl gebraucht werden.
In der Gesamtheit durchzieht ihre Arbeiten nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für die Kombination aus Zeit und Zeitgeschehen, künstlerischer Form und Material, sondern eine äußerst leidenschaftliche und konzentrierte Energie, die trotz der häufig bedrückenden Thematik von Unbeschwertheit zeugt. Klara Lidén ist eben eine Rebellin.

Im Fridericianum lässt die junge schwedische Künstlerin eine begehbare Raumkonstruktion kombiniert mit einem neuen Video entstehen, die physische und psychische Wahrnehmungen berührt, sie beeinflusst und täuscht.



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